Rezension: Der entfesselte Skandal – Das Ende der Kontrolle im digitalen Zeitalter

Hach, endlich meine erste Rezension ;-)

Ich habe das Buch „Der entfesselte Skandal: Das Ende der Kontrolle im digitalen Zeitalter“ vom Herbert von Halem Verlag gestellt bekommen, erstmal vielen Dank dafür!

In dem Buch rekonstruieren die Autoren Bernhard Pörksen (Professor für Medienwissenschaft an der Uni Tübingen) und Hanne Detel (wissenschaftliche Mitarbeiterin an ebenjener Uni)

einige Fälle von „verlorener“ Kontrolle im Internet. Da sind schon einige extrem fiese Fälle dabei, alleine deshalb ist das Buch äußerst interessant. So gehen sie beispielsweise auf die Fälle von

Karl-Theodor zu Guttenberg (Guttenplag-Wiki) oder Wikileaks mit den bekannten Helikopter-Videos ein. Die Autoren rekonstruieren und analysieren alle Fälle sehr ausführlich, selbstverständlich

auch die jeweiligen Folgen. Bei dem Buch handelt es sich um ein wissenschaftliches Werk, allerdings ist es, anders als die Doktorarbeiten vieler Politiker, wasserdicht mit Quellen versorgt. Dabei sind nicht nur Online-Quellen, was wohl dazu führt, dass ich wieder noch mehr Bücher kaufen muss 😉

Zusammenfassen lässt sich das Thema mit der Amazon-Beschreibung:

WikiLeaks blamiert zuerst eine Weltmacht und dann sich selbst. Blogger prangern einige wenige, bis dahin unbeachtet gebliebene Sätze des Bundespräsidenten an und forcieren im Verbund mit klassischen Massenmedien seinen Rücktritt. Politiker stürzen über Plagiate, die sich im Netz detailgenau dokumentieren lassen. In die falschen Kanäle gelangte Fotos und Handyvideos, SMS-Botschaften und Twitter-Meldungen beenden Karrieren und werden zu global zirkulierenden Beweisen eines Vergehens, die sich nicht mehr aus der Welt schaffen lassen.

Das Buch kann man im übrigen nicht nur als wissenschaftliche und damit sachliche Analyse sehen, sondern auch als eine Art der Provokation – wenn auch nur zum Nachdenken über die Veröffentlichung persönlicher Daten im Netz. Der Schluss, den die Autoren ziehen, ist, dass Skandal keine „Distanzereignisse“ mehr sind – sie sind in unser aller Leben bereits angekommen.

Meiner Meinung nach ist das Buch durchaus lesenswert, unter Anderen, weil die rekonstruierten Fälle nicht total abstrus sind, sondern entweder allen bekannt sind (Guttenberg, Wikileaks) oder schon lange als „Worst Case“ für Webnutzer gelten: Man schreibt etwas privates in einem Blog für ein paar Freunde, die geben es weiter, die ganze Welt erfährt es und man ist seinen Job los, und das in Rekordzeit. Die nachvollzogenen Fälle sind sehr gut recherchiert, was die Autoren sehr glaubwürdig macht. Die beinahe minutiöse Rekonstruktion führt zu einer großen Zahl an Quellen, die, wie es sich für Wissenschaftler gehört, exakt angegeben sind. Muss man ja heutzutage auch lobend herausstellen 😉 Einige der Quellen habe ich mir schon angesehen, und viele habe ich noch vor mir. Das zeigt, dass dieses Buch den „Wikipedia-Effekt“ auch anfeuert: „Oh, das ist ja auch interessant…“ und Stunden später findet man sich sonstwo wieder, in diesem Fall halt beim Buch.

Das Buch ist, wenn ich von den (sogenannten) wissenschaftlichen Texten, die wir in der Schule vorgesetzt bekommen, sehr einfach und flüssig zu lesen. Man kann zwar das gesamte Essay in nur 24 Stunden lesen, ich empfehle aber auf jeden Fall, sich deutlich länger Zeit zu nehmen, da es an einigen Stellen doch sinnvoll ist, mal über den Inhalt nachzudenken. Ich kann mich bei dem Buch übrigens aus irgendwelchen Gründen entspannen, wieso ist mir unerklärlich.

Der einzige Kritikpunkt, den ich gefunden habe, ist, dass der Begriff „Skandal“ meiner Meinung nach an einigen Stellen zu hoch gegriffen ist – das Wikileaks-Video ist ein Skandal, aber schon beim

Fall von zu Guttenberg ist für mich nicht eindeutig, ob das wirklich schon ein Skandal oder noch irgendetwas anderes ist.

Fazit

Zusammenfassend kann ich dieses gut recherchierte und lückenlos dokumentierte Essay jedem empfehlen, der sich mal mit diesem Thema beschäftigt hat – und das dürfte eigentlich jeder

Internetnutzer sein. Allerdings kann ich das Buch auch „Neulingen“ in der Materie empfehlen: Es ist vermutlich sinnvoller, eine wissenschaftliche Zusammenfassung zu dem Thema zu lesen,

die ja auch Gründe und Folgen dieser „Skandale“ darlegt, als zuerst in so eine Falle zu tappen und das Buch hinterher zu lesen. Nur mal so als Anregung 😉 Dieses gute Urteil kann auch mein Kritikpunkt nicht abschwächen, das muss sowieso jeder für sich wissen.

„Organisatorisches“

Das Buch könnt ihr direkt beim Verlag oder bspw. bei Amazon bestellen.

Das Buch wurde mir zur Verfügung gestellt über die Plattform Blog dein Buch bereitgestellt, an dieser Stelle nochmals vielen Dank! (Auch für die Geduld mit mir, ich hatte im letzen Monat viel für die Schule zu tun, ich gelobe Besserung ;-)