Rezension: Blackbox Urheberrecht

Ich habe es endlich mal geschafft, ein selbst gekauftes Buch durchzulesen, und zwar „Blackbox Urheberrecht“ von Daniel Brockmeier (@Privatsprache) aus dem JMB-Verlag. Die Arbeitsthese des Buches ist, dass das Urheberrecht in seiner bisherigen Form gecrasht ist und nun herausgefunden werden muss, wieso es abgestürzt ist und nun herausgefunden werden muss, wie es wieder auferstehen könne.

Inhalt

Das Buch ist eine Sammlung von Texten verschiedener Autoren neben Brockmeier selbst, etwa Dirk von Gehlen,  Johnny Haeusler, Neelie Kroes, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Frank Schirrmacher, Anatol Stefanowitsch und Udo Vetter. Ein Teil dieser Texte findet im Buch seine zweite Verwertung, ein Teil wurde extra für das Buch verfasst. Sogar ein wohl einmaliges Interview findet sich im Buch, denn der Autor hat es geschafft, ein Interview mit dem Anonymus-Kollektiv zu führen – aber nicht nur mit einem Vertreter.

Beurteilung

Im Großen und Ganzen ist das Buch großartig, die Texte bilden mitunter sehr unterschiedliche Meinungen und Ideen ab und auch die Autoren kommen aus verschiedensten Bereichen, betrachten das Urheberrecht also jeweils aus einem eigenen Sichtwinkel. Sicher, einige der Texte sind aufwendiger formuliert als andere und manche erscheinen mir lesbarer als andere, aber ein solches Themenspektrum lässt sich von einem einzelnen Autor wohl kaum in dieser Vielfalt abbilden. Es spricht auch für das Buch, dass ich es in etwas mehr als einem Tag gelesen habe – das funktioniert bei mir nur, wenn die Themen und Inhalte es schaffen, mich zu fesseln, was zuletzt „Die Tribute von Panem“ geschafft haben – eine gute Leistung also!

Der Teufel steckt aber auch bei diesem Buch im Detail. Dass dem Lektorat ein Bindestrich zuviel durchrutscht, kann passieren, aber einige Punkte muss ich doch kritisieren. So liegen 43 der insgesamt 234 Fußnoten im ersten Beitrag, während in den anderen Beiträgen deutlich weniger Fußnoten vorliegen – im Schnitt 9. Ich zweifle an, dass es sinnvoll ist, alle Links aus dem entsprechenden Blogpost in das Buch zu übernehmen, es wäre vermutlich sinnvoller, eine Webseite zum Buch (oder eine Unterseite auf der Webseite des Autors) zu erstellen und die Links hier zu sammeln. Und wenn schon Links in die Fußnoten (was ja stellenweise schon sinnvoll ist), dann eben bitte nicht alle und dann auch einheitlich – ein paar Links sind einheitliche Kurzlinks, ein paar offensichtlich zufällig generiert und einige wenige gar nicht maskiert. Abgesehen davon, dass ich persönlich nicht maskierte Links für sinnvoller halte, weil man da sieht, wo man landet, wäre eine vollständige Einheit schon schön. Und wenn die Fußnoten keinen Link darstellen (was sehr wenige sind), sollte man auch hier Einheit schaffen – wenigstens auf ein „vgl.“ oder eben keins könnte man sich ja einigen.

Sicherlich wären zu einigen Themen auch andere Autoren schön gewesen – ein Text weniger von Udo Vetter und stattdessen ein Interview mit jemandem vom CCC über die von diesen geforderte Kulturwertmark (die in den meisten der Texte nicht sehr gut weg kommt) wäre wünschenswert.

Auch bei der Typografie liegt der Teufel im Detail. An und für sich ist die verwendete Schrift gut für ein solches Buch geeignet, stellenweise fehlt aber eine Abhebung. So ist mir mitunter erst beim zweiten Blick aufgefallen, dass das, was nicht in den Text passte, eine  Zwischenüberschrift war – die ist zwar im Gegensatz zum Fließtext ohne Versalien gesetzt, hebt sich aber dennoch kaum ab, da wäre ggf. ein fetterer Schnitt angebracht. Autor und ursprüngliches Veröffentlichungsdatum sind unter der Überschrift in der Fließtext-Schrift gesetzt und unterstrichen – das wirkt auch suboptimal, ebenso treffen mindestens an einer Stelle Fußnote und Seitenzahl so nah aneinander, dass sie fast verschmelzen.

Dass nur wenige Texte für das Buch angepasst wurden und auch diese nur marginal, ist natürlich hervorzuheben – ein wenig mehr Einheit wäre aber auch hier stellenweise wünschenswert, etwa bei der Genderisierung. Die wurde auf mindestens zwei Arten vorgenommen, das hätte man vereinheitlichen können, ohne den Sinn des Textes zu verändern – und bei der Gelegenheit das auf manchen Blogs übliche durchgestrichene (alter Inhalt) rauskürzen, das sieht auch nicht aus.

Wiederum positiv hervorzuheben sind das recht umfassende Personenregister sowie die Zeitleiste im Anhang, auf der eine zeitliche Einordnung der Artikel anhand ihrer Veröffentlichungsdaten, wichtiger politischer Debatten und sogar Gerichtsverfahren.

Fazit

Viel Kritik? Mag sein. Es ist aber trotzdem festzustellen, dass diese Punkte das „Lesevergnügen“ kaum beeinträchtigen – das sind eigentlich alles nur Punkte, die man ggf. in einer Neuauflage beheben könnte.

Lesevergnügen in Anführungszeichen, weil ich bei einigen Beiträgen fast ernsthaft schlechte Laune bekommen hätte – Cristoph Keese , die Berichte über Abmahnungen von Udo Vetter und meine Meinung zu dem Thema könnten da mit Schuld sein ;-)

Metadaten und Bezugsquellen

Das Buch gibt es sowohl gedruckt für 14,99€ als auch digital für 5,99€.

Autor: Daniel Brockmeier (Herausgeber) Verlag: JMB-Verlag ISBN Print: 978-3-944342-21-4 ISBN eBook: 978-3-00-041366-7

Zu Kaufen gibt es das gedruckte Buch direkt beim Verlag oder in der Buchhandlung des Vertrauens.

Die digitale Version gibt es bei Amazon, Google Play und iBooks.