Rezension: Schauplatz Tatort

Ich interessiere mich ja sehr für Architektur und Filme – da lag es für mich nahe, mich um eine Rezension von „Schauplatz Tatort“ zu bewerben. Es handelt sich dabei um ein Buch, in dem die vier Autoren hinter die architektonischen Kulissen des Tatorts blicken. Dabei haben die Autoren sich die Tatorte aus Duisburg, Essen, Frankfurt, Berlin, Münster, München und Hamburg näher angeschaut, auf bestimmte Bereiche hin näher untersucht und verglichen.

Inhalt

Das Buch beginnt mit einer Einführung aller Tatort-Teams der letzten Jahre. Diese werden im weiteren Verlauf des Buches teilweise noch näher beleuchtet (s.o.), andere werden nur kurz anhand ihrer Wohn- und Arbeitssituationen vorgestellt. Im gleichen Zug werden die jeweiligen Wohn- und Arbeitsräume in ihrer tatsächlichen Funktion vorgestellt – hättet ihr gewusst, dass gleich mehrere Büros aus verschiedenen Serienteilen in einer bestimmten Schule gedreht wurden? Diese Untersuchungen werden teils mit Interviews – etwa mit Schauspielern – angereichert und nehmen gemeinsam mit diesen einen großen Teil des Buches ein. Ebenso werden einige besonders „legendäre“ Folgen näher untersucht und es wird der Frage nachgegangen, wie sich diese Orte später entwickelt haben.

Als dritter Bestandteil finden sich Interviews, die noch weiter hinter die Kulissen blicken – beispielsweise sprachen die Autoren mit einer Szenenbildnerin über den Aufbau eines Raumes sowie einem Architekten über Darstellung und Realität der Wohnbebauung rund um das olympische Dorf in München.

Beurteilung

Das Buch liefert interessante Einblicke sowohl in die vielen Folgen zugrunde liegende Psychologie (die Mörder leben oft in Saus und Braus, die Opfer sind oft arm) als auch die Hintergründe, die die jeweiligen Gebäude oder Gegenden haben und wie sich diese mit der Zeit verändert haben. Auch die Einblicke in die Arbeit von Schauspielern und Szenenbildnern sind interessant, besonders in Hinsicht auf die von den Schauspielern als „besonders“ bezeichneten Drehorte.

Es ist – gerade für mich, der ich den Tatort so gut wie nie sehe, weil mir oft zu viel Blut vorkommt und die Story zu dumpf ist – ein interessanter Einblick, mal zu sehen, welche Gemeinsamkeiten es in den verschiedenen Serienablegern so gibt, nachdem mir einzelne Folgen und einzelne Orte bekannt sind. Die dargestellten Gemeinsamkeiten hätte ich sonst sicher nicht so gesehen, obwohl es durchaus interessant ist, welche Bilder beziehungsweise vielleicht sogar Vorurteile im Tatort aufgebaut werden.

An der Gestaltung gibt es so weit nichts kaum etwas zu meckern, besonders die vielen, hochwertigen Fotos überzeugen mich. Leider ist die Schrift an einigen Stellen sehr dick geraten, beispielsweise die Einleitung ist dadurch schwer zu lesen. Die „normalen“ Texte sind in einer dünneren, relativ großen Schrift gesetzt und durchgängig gut lesbar.

Bedauernswert ist aus meiner Sicht, dass die Texte die Hintergründe kaum näher betrachten. Es wird auf die Architektur eingegangen, beschrieben, welche Elemente der Bauweise was hervorheben sollen und auch eine kurze Zusammenfassung der jeweiligen Folge gegeben – leider ist das für Leute wie mich, die die angesprochenen Folgen großteils nicht kennen, zu wenig. Etwas mehr Tiefgang hätte sicher nicht geschadet. Dabei hätte man auch auf die anderen Schauplätze einer Folge eingehen können, die hier nicht betrachtet wurden, weil die gesamte Aufmerksamkeit auf Polizeireviere und Wohnungen von Täter und Opfer gelenkt wurde.

Fazit

Für Freunde von Architektur und Tatort ist das Buch ein Must-Have. Viele der Hintergründe kann man vermutlich auch als regelmäßiger Zuschauer nicht ergründen, diese zu kennen sollte für einen echten Fan aber Pflicht sein. Für Freunde von Architektur oder Tatort ist das Buch ein Nice-to-have. Architekturfreunde werden vermutlich mehr Architektonische Inhalte erwarten und Tatort-Freunden könnte es durchaus zu viel Architektur sein. Das Buch zielt natürlich mehr auf die Zielgruppe der „sowohl als auch“-Interessenten ab, das kann man dem Verlag nicht vorwerfen, sondern muss es ihm sicher zu gute halten.

Metadaten und Bezugsmöglichkeiten

  • Schauplatz Tatort. Die Architektur, der Film und der Tod.
  • Udo Wachtveitl, Alexander Gutzmer, Guido Walter, Oliver Elser
  • Callwey, München 2013
  • Gebunden, 25 × 28 cm, Farbdruck, 192 Seiten

Zu Kaufen gibt es das gedruckte Buch beispielsweise direkt beim Verlag.

Wie so oft mit Dank an Blogg dein Buch für die Bereitstellung!