Rezension: Der Kaiser von Dallas

Ich bin erklärter Podcast-Fan und habe dank Monoxyd und seiner Radiorollenspiele auch etwas verloren geglaubtes aus meiner Kindheit wieder lieben gelernt: Hörspiele. Waren es damals noch die drei ???, sind es heute Crowdfunding-Projekte (radiorollenspiel.de – ich warte immernoch auf meine Postkarte ;-) ) und die Radiorollenspiele, die er regelmäßig auf Fritz *(Edit 2015-07-21: Neuer Link) veranstaltet. Folglich habe ich mir auf bloggdeinbuch diesmal ein Hörspiel senden lassen. Schande über mich, ich hab‘ eigentlich noch genug Bücher hier rumliegen zum Rezensieren.

Aber nun zurück zum Thema: Ich habe eine Produktion von Christian Blees beim rbb Kulturradio/WDR bekommen, nämlich „Der Kaiser von Dallas– Die einzige Wahrheit über den Mord an John F. Kennedy“ aus dem Hause Audiobuch. Vorweg möchte ich hier eine Warnung aussprechen: Das ist kein „normales“ Radiofeature sondern eine Satire, warum ich das hier hervorhebe, erkläre ich gleich.

Inhalt

Das Hörbuch erzählt die Geschichte eines Journalisten, der bei einer Recherche in Stasi-Unterlagen auf ein Tonband stößt, das sich nicht zuordnen lässt. Bei der Suche nach der Herkunft des Tonbands stößt er auf eine Verschwörung rund um Lyndon B. Johnson und eine führende Sowjetische Persönlichkeit – reimt’s euch zusammen oder hört es euch an 😉

Wie in einem Feature wird also die Recherche dargestellt, vom ersten Anhören des Mitschnitts bis zur Auflösung, wer Kennedy schlussendlich ermordet hat, auch mit genretypischen Gesprächsmitschnitten.

Beurteilung

Christian Blees hat es geschafft, eine echt wirkende Satire auf Enthüllungsjournalismus und Verschwörungstheorien in ein Radiofeature zu pressen, das aber keins ist. Und das ist ihm wirklich gut gelungen – zu gut vielleicht. Denn stellenweise hatte ich trotz meiner Kenntnis, dass es sich um Satire handelt, das Gefühl, die Enthüllungen seien tatsächlich echt. Dass eine so gute Produktion in die Hose gehen kann, wissen wir seit „Krieg der Welten“, die Geschichte ist bekannt.

Die Form eines Features hat Blees voll ausgenutzt, ohne ins Lächerliche zu geraten, er bewegt sich also in einem realistischen Rahmen und zieht keine Beweise oder ähnliches an den Haaren herbei. Stattdessen ist die Argumentation in sich so schlüssig, dass sie bei Verschwörungstheoretikern das Öl im Feuer sein könnte – das ist hier aber als Qualitätsmerkmal anzusehen. Auch technisch ist die Produktion einwandfrei. So wurden auch Original-Aufnahmen von 1963 verwendet, was den Realismus noch weiter vorantreibt. Einziger Kritikpunkt an der Produktion ist, dass die Metadaten nicht in der GracenoteDB zu stehen scheinen, folglich kann iTunes nicht einmal den CD-Titel automatisch erkennen, sodass für Leute wie mich, die Hörspiele gerne unterwegs hören, einiges an Nacharbeit notwendig ist.

Fazit

Insgesamt gebe ich für das Werk eine klare Empfehlung ab: Für Freunde von Geschichte, Politik und Verschwörungstheorien ist das Hörspiel ein Ohrenschmaus. Definitiv Fernhandels sollte man nur Leute, die sehr schnell und ohne weiter Informationsquellen an etwas glauben und Verschwörungstheoretiker – die würden nur falsche Schlüsse ziehen.

Als weitere „Lektüre“ zum Thema Kennedy empfehle ich Hoaxilla #6 mit dem Thema Verschwörungstheorien sowie den Artikel in der Wikipedia.

Metadaten

Titel: Der Kaiser von Dallas

Autor: Christian Blees

Verlag:audiobuch.com

ISBN: 978-3-89964-496-8

Preis: 14,95€

Kaufen direkt beim Verlag oder beispielsweise bei eBook.de (ehemals Libri).