Mimimi: Unser aller Lieblings-Glaubenskrieg

Gerade kam in meiner Gegenwart wieder einmal unser aller Lieblings-Diskussion auf: Apple vs. Microsoft, iOS vs. Android etc. pp.

Warum macht sich eigentlich kaum jemand die Mühe und validiert seine Anmerkungen dazu? Ich möchte hier folglich mal das ein oder andere richtig stellen bzw. zu relativieren versuchen:

„Apple – die haben voll die schlechten Produktionsbedingungen“

Ja, das verbreiten die deutschen Medien so. Und ja, die Arbeitsbedingungen sind, besonders bei den Werken in China im Vergleich zu hiesigen Standards furchtbar. Nur: HTC, Sony etc. sind kein Stück besser. Die lassen in den selben Werken produzieren. Unter den selben Arbeitsbedingungen.

„Apple ist viel teurer, die Bauteile kosten gradmal 5 – 10% des Endpreises“

Ja, auch das stimmt. Nur: Hardware-Entwicklung, Design, Marketing und Software sind auch teuer. Android-Geräte setzen auf ein von einem „unabhängigen Dritten“ produziertes Betriebssystem. Das kostet die Telefonhersteller vielleicht ein paar Anpassungen und Lizenzgebühren, aber selber entwickelt werden muss hier nichts.

„Android ist viel offener als iOS, bei Apple gibt es dafür Zensur“

Ja, schön. Und das bringt auch gar keine Probleme mit sich, deshalb gibt es auch so viele Trojaner für Android. Ja, klar, Apple bestimmt, was in die Stores kommt und was nicht. Und ja, das ist manchmal übertrieben. Aber seien wir doch ehrlich: Warum um alles in der Welt soll eine App in den Store, die mir irgendwelche Werbebanner auf den Homescreen pusht? Oder die 1001 Furz-Geräusche-App?

„Es gibt kaum Spiele für Linux“

Selbst wenn dem so wäre: So what? Ich bin sicher bei weitem nicht der einzige Mac-Nutzer, der zusätzlich einen Windows-PC hat.

Zudem: Steam listet derzeit etwa 450 Spiele für Linux, Tendenz steigend. Dazu kommen viele Spiele, die einfach nicht auf Steam als Vertriebsplattform setzen.  Es ist davon auszugehen, dass zukünftige AAA-Titel auch für Linux erscheinen werden, nicht nur wegen der mittlerweile doch recht breiten User-Basis sondern auch, weil Valve mit Steam OS ein deutliches Zeichen gesetzt hat, dass die Entwickler zukünftig doch bitte Linux unterstützen sollen, wenn sie den nicht ganz unwichtigen Steam-Markt nicht vernachlässigen wollen.

„Für Windows gibt es viel mehr Software als für Linux“

Zuallererst ziehen wir von diesen zugegeben großen Mengen an Software all das ab, was unter Linux schlichtweg überflüssig ist beziehungsweise schon unter Windows kaum Vorteile bringt, sprich Defragmentierungstools, Tools um das System zu „tweaken“, dysfunktionale Tools, Branches, die keine Vorteile bringen und Tools wie das zu „Ashampoo Office“ umgelabelte „Softmaker Office“ – selbe Software, anderer Name. Dann noch so sinnvolle Tools wie „bringt Bing auf ihren Desktop“, die niemand benutzt, der sein System auch nur annähernd produktiv und ernsthaft nutzt und – schwupp! Sind wir bei einer viel kleineren Zahl. Für Linux gibt es im Gegenzug weniger Viren (was sich natürlich mit einer höheren Verbreitung ändern kann), viele Open-Source-Tools, eine unfassbar große Anzahl an Betriebssystemen für jedweden Anwendungsfall und Geschmack.

„Apple bevormundet seine Benutzer“

Weit verbreitetes Folgeargument zu „Zensur“. Leider ist es absolut unvertretbar, dieses Argument contra Apple zu führen. Denn wenn ich mich recht erinnere, versuchen gerade der wohl größte Office-Software-Hersteller und der größte Bildbearbeitungs-Tool Hersteller in die Cloud zu zwingen. Und einer der beiden ist Microsoft.

Der Punkt geht dann wohl an Linux.

„Android/Windows kann viel mehr als Mac/Linux“

Betriebssystem ist je nach Diskussion (Desktop oder Mobil) austauschbar. Ja grandios. Leider hat es noch niemand geschafft, mir eine dieser Funktionen, die man unbedingt braucht zu nennen.

Jedenfalls keine, die ich brauche. Beispiel gefällig? Bitte sehr: NFC. Grandioses Einfallstor. Braucht keiner, verführt zum achtlosen Umgang mit Geld, Sicherheitsprobleme inklusive.

Abgesehen davon basiert Android auf Linux.

„Apple ist scheiße“

Das ist nichtmal ein Argument, aus irgendeinem Grund bringt das trotzdem immer jemand an. Das ist eine Meinung, aber eine schlecht formulierte, undifferenzierte und unbegründete. Und so etwas hat, wie man in der Schule lernt, nichts in einer Diskussion zu suchen.

„Es gibt keinen einzigen Menschen, der mir sagen kann, wieso er Apple benutzt (außer das Apple teurer und deshalb besser ist)“

Interessant, mir konnte noch keiner einen gescheiten Grund sagen, warum a.) ich es nicht tun sollte bzw. warum b.) Windows so viel besser ist.

Die optionale Erweiterung „außer teurer, deshalb angeblich besser“ ist mir übrigens noch nie von einem Apple-Nutzer untergekommen, allerhöchstens mal deutlich ironisch.

„Ubuntu ist was für alte Laptops, die nichts können“

Das wüsste ich aber. Ubuntu ist genau so ein Produktivsystem wie OS X oder Windows. Die selben wichtigen Funktionen, läuft auch auf älteren Rechnern. Aber eben auch auf neuen. So richtig schwach auf der Brust ist das nämlich nicht. Für Leute, die echte alte Krücken betreiben, gibt es andere Linux-Betriebssysteme – die laufen dann auf Systemen flüssig, auf denen Windows 7 vermutlich nicht einmal starten würde.

„Windows kann viel mehr als Ubuntu“

Siehe auch „Ubuntu ist was für alte Rechner“,  „Windows kann viel mehr“ und „für Windows gibt es viel mehr Software“. tl;dr: QmS.

Abschließend bin ich mal so frei, einen Teil meines Chatverlaufs zur Diskussion zu zitieren:

t.: Es gibt auch mehr Arten einen Menschen qualvoll zu toeten, als es schnell zu tun

t.: Trotzdem, was wuerdest du mit dir lieber getan haben?

K.: welche auswahl hab ich denn t.?

t.: Schnell sterben oder langsam und qualvoll verrecken

K.: lieber langsam kann ich noch ordentlich fluchen

t.: Das erklaert deine Windows Vernarrtheit